Kleine Zeitung Wasserski Club Bangt Um Heimat
Kleine Zeitung: „Kärntens ältester Wasserski-Club bangt um seine Heimat"
Rubrik: Chronik (K+) | Velden am Wörther See, 22. August 2026 um 13:00 Uhr
Autor: Klaus Steiner, Regionalbüro Villach
Lead: Der Pachtvertrag des Wasserskiclubs Velden läuft Ende 2026 aus. Seitens der Gemeinde will man bis Ende des Jahres eine Entscheidung treffen.
Der Artikel in Kürze
- Der Pachtvertrag des Wasserskiclubs Velden läuft Ende 2026 aus, und die Gemeinde will bis Ende des Jahres eine Entscheidung treffen.
- Der Verein ist unsicher, ob er nach dem Jahreswechsel noch einen Platz am Wörthersee haben wird.
- Der UWSC Velden hat ein Konzept mit Investitionen von 350.000 Euro und einer Nutzung über 20 Jahre vorgelegt.
- Die Gemeinde fordert eine gemeinsame Lösung mit dem Yacht-Club Velden, bisher ohne Erfolg.
- Bürgermeisterin Heissenberger betont, dass Wassersport Platz haben soll, aber eine langfristige Bindung nicht eingegangen wird.
Bildunterschrift (Foto von acht Mitgliedern mit Wakeboards am Steg, © KK/UWSC Velden):
„Die rund 120 Mitglieder des Wassersportvereins UWSC hoffen auf eine langfristige Lösung über den Verbleib am jetzigen Standort"
Der viertgrößte Verein Veldens weiß derzeit nicht, ob er nach dem Jahreswechsel noch einen Platz am Wörthersee hat. Der Pachtvertrag des Union Wasserski- und Wakeboard-Clubs Velden (UWSC) für den jetzigen Standort in der Veldener Bucht ist Ende Juli ausgelaufen und wurde von der Gemeinde, die im Besitz der Liegenschaft ist, nur bis 31. Dezember verlängert. Für Obmann Thomas Storch ist das nur eine Atempause. „Wir hängen in der Luft. Im schlimmsten Fall müssen wir raus", sagt er. „Wir sind nicht nur ein Sportverein, sondern eine Community für Kinder und Jugendliche, die am letzten offenen Seezugang in Velden niederschwellig und ohne Konsumzwang zusammenkommen können."
„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Im schlimmsten Fall müssen wir dort raus."
— Thomas Storch, Obmann UWSC Velden
Rund 120 Mitglieder zählt der 75 Jahre alte Verein, etwa 80 davon sind Kinder aus Velden und der Umgebung. Der UWSC kooperiert mit Schulen, betreibt Nachwuchsarbeit und ermöglicht auch Menschen mit körperlichen Behinderungen Wassersport. Storch will die Fläche nicht nur erhalten, sondern weiterentwickeln. Ein 50 Seiten starkes Konzept sieht Investitionen von 350.000 Euro und eine Nutzung über 20 Jahre vor. Auch eine Variante mit kürzerer Nutzung habe man den zuständigen Gremien präsentiert. „Wir kämpfen weiter und hoffen, dass wir einen Konsens finden."
Bekenntnis zu Wassersport, aber mit Blick aufs Ganze
Eine langfristige Bindung will Bürgermeisterin Margit Heissenberger (SPÖ) nicht eingehen. Neben dem UWSC habe auch der Yacht-Club Velden Interesse an der Fläche angemeldet und ein eigenes Konzept vorgelegt. Die Gemeinde habe beide Vereine zunächst aufgefordert, eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten, dazu sei es laut ihr aber nicht gekommen. Die Vorschläge wurden in den zuständigen Gremien präsentiert. „Ich alleine entscheide hier nichts. Die bisherigen Schritte wurden in den zuständigen Gremien einstimmig beschlossen", betont Heissenberger.
Dass Wassersport in Velden Platz haben soll, stellt sie nicht infrage. Die Entscheidung müsse aber über die Interessen eines Vereins hinausgehen. Auch Ergebnisse aus dem „Seendialog Wörthersee" zu Ökologie, Wellenschlag, Renaturierung und touristischer Nutzung sollen in die weiteren Entscheidungen einfließen. Zudem sei die Veldener Bucht stark genutzt, oft gäbe es gefährliche Situationen mit Booten und Schiffen. „Wir sind grundsätzlich für den Wassersport, müssen die Fläche aber in einem gesellschaftlichen Gesamtkonzept betrachten", sagt Heissenberger. Einen Pachtvertrag über 20 oder 30 Jahre halte sie für „nicht verantwortbar". Bis Weihnachten soll geklärt werden, wie es ab 2027 weitergeht.
Bildunterschrift (Foto Bürgermeisterin Heissenberger, © Weichselbraun Helmuth/Kleine Zeitung):
„Veldens Bürgermeisterin Margit Heissenberger (SPÖ) will zukünftige Entscheidungen über die Verlängerung des Pachtvertrags von den Ergebnissen des Seendialogs abhängig machen"
Infobox – Seendialog Wörthersee:
Der Seendialog Wörthersee ist ein gemeinsamer Beteiligungsprozess von Bund und Land Kärnten zur künftigen Nutzung des Sees und seiner Uferbereiche. Ziel ist es, Interessen von Tourismus, Freizeit, Wirtschaft und Naturschutz miteinander in Einklang zu bringen und langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln. Seit Februar 2026 werden dafür zunächst Gespräche mit wichtigen Interessensgruppen geführt. Anschließend werden in Workshops der aktuelle Zustand und mögliche Maßnahmen diskutiert.
Areal als Plan B für das Gemeindebad
Gemeindevorstand Markus Kuntaritsch (FPÖ) spricht sich für den Fortbestand des Vereins am jetzigen Areal aus, hält aber kürzere Verträge für sinnvoll. Für ihn hat die Liegenschaft strategischen Wert. Die Gemeinde müsse in den kommenden Jahren auch eine Lösung für das aktuelle Gemeindebad auf der anderen Seite der Bucht finden, dessen Pachtvertrag ausläuft. „Es kommt für mich auf keinen Fall infrage, das Areal des UWSC zu verkaufen. Wir könnten es in Zukunft selbst brauchen", sagt Kuntaritsch. Nach der Gemeinderatswahl 2027 solle ein handlungsfähiger Gemeinderat über eine mittelfristige Lösung entscheiden. Denkbar wäre für ihn, den UWSC später in ein neues Gemeindebad-Konzept einzubinden. Die Gemeinde habe es versäumt, vor rund 10 Jahren das Grundstück zu kaufen.
Bildunterschrift (Foto Markus Kuntaritsch, © KK/Privat):
„Veldens FPÖ Gemeindevorstand Markus Kuntaritsch ist selbst Wassersportler und will spätestens nach der Gemeinderatswahl 2027 eine mittelfristige Lösung finden"
Pacht für derzeitiges Gemeindebad endet 2034
Der Pachtvertrag für das derzeitige Gemeindebad endet 2034, wie Eigentümer Anton Bulfon der Kleinen Zeitung im Mai 2025 bestätigte. Man wolle der Gemeinde ausreichend Zeit geben, um sich nach einer Alternative am See umzusehen. Ein Verkauf der Liegenschaft, den Bulfon früher forciert hatte, stehe nicht mehr zur Diskussion.
Für Storch zählt deshalb vorerst vor allem eines. Er will noch im Herbst mit der Gemeinde an einen Tisch kommen und zumindest Planungssicherheit für 2027 erhalten. An einen Abschied aus der Veldener Bucht will der Vorstand noch nicht denken. „Wir hoffen einen Konsens zu finden", sagt Storch.
Der Originalartikel (kostenpflichtig, K+) ist bei der Kleinen Zeitung zu finden:
Kleine Zeitung – Kärntens ältester Wasserski-Club bangt um seine Heimat →
Quelle: Kleine Zeitung, Rubrik Chronik, 22. August 2026, 13:00 Uhr. Autor: Klaus Steiner, Regionalbüro Villach. Transkription aus vom Nutzer bereitgestellten Fotoaufnahmen des Artikels.